Ihm gegenüber saß Bruno Mülltone, der das Abfallkartell leitete. Er wurde von den normalen Einwohnern in Schmetterlingsend vorrangig aus Angst gemieden, weswegen auch viele Bürger die horrenden Preise der örtlichen Müllkippe in Kauf nahmen, ohne zu protestieren.
Neben ihm an der langen Seite des Billardtisches saß der dritte und letzte Mitspieler dieser Runde: Sigurd Rattenschopf. 
Wenn es jemanden gab, der noch verranzter als Bruno Mülltone war, dann war Rattenschopf sicherlich ein Anwärter auf diesen Thron.
„Zeit, deinen Einsatz zu dealen, Alter!“, spuckte Bruno Mülltone Alex entgegen.
Alex war etwas in seinen Gedanken versunken gewesen und überdachte noch einmal seine Chancen. Er brauchte das Geld, da sein Job nicht die nötige Rendite lieferte, die er für seinen Lifestyle benötigte. Das Bezahlfernsehen drückte ihm derzeit ganz besonders auf die Schuhe, nachdem diese nun den dritten Monat auf ihre Zahlung warten mussten. Nach mehrmaligem Versuch, aus diesem wasserdichten Vertrag herauszukommen, hatte Alex aufgegeben. 
Sein Vermieter drohte mittlerweile auch damit, seine Wohnung einfach an jemand anderen weiterzuvermieten. Wasser und Strom holte sich Schnuppe ebenfalls bereits vom Nachbarn, der so frei war, ihm seinen Schlüssel zur Überwachung seiner Wohnung zu geben, solange er im Urlaub war.
Sein Leben hing an diesem Spiel und das war wohl nicht übertrieben.
Hinter den beiden größten Gangstern der Stadt stand deren Gefolge, bewaffnet mit Maschinenpistolen und Käseschnittchen. Nur für den Fall, dass etwas schief laufen sollte.
Dies übte auf Alex noch mehr Druck aus und er begann, noch stärker zu schwitzen. Als Einhorn konnte er zwar durch den ihm bei seiner Geburt überreichten Zauberstein magische Tricks abziehen, hier unten stand er aber leider unter zu guter Beobachtung. Außerdem hatte der Stein hier einen zu geringen Empfang. 
Alles lief gegen ihn. Das Klackern der alten Turmuhr, deren Ziffernblatt irgendwie hier hinein gelangt war, obwohl sie unter Denkmalschutz stand und seit vier Jahren als verschollen galt, ermahnte ihn, dass er nicht auch bald zu den Verschollenen gehören wollte.
Alex griff in seine Jackentasche. Als er diese Bewegung vollzog, entstand ein wunderschöner Regenbogen in bunten Farben und mit hellem Schein, der den Raum bis in den letzten Winkel erfüllte. 
Sofort griff einer der Handlanger zum Abzug seiner Maschinenpistole und feuerte, was das Zeug hielt. 
Schnuppe und die anderen Spieler wurden nur um ein Haar verfehlt.
„Was fällt dir ein, du Idiot!“, schrie Rattenschopf seinen treuen Unterlegenen mit dem nun erschreckt angelegten Gewehr an. „Du hättest mich beinahe mit erschossen! Strafposition einnehmen und erst wieder damit aufhören, wenn ich es sage!“, raunzte er im Befehlston.
Der Handlanger reagierte sofort, machte eine Kniebeuge und hielt in der Mitte der Ausführung an. 



Oh man, das hier ist wirklich nichts für schwache Nerven, dachte Alex. 
„Nun mach endlich was, du Zauberpony!“, forderte ihn Bruno Mülltone barsch auf.
Alex hatte leider bemerkt, dass er kein Geld mehr in den Taschen hatte, um diesen Einsatz mitzugehen. Er entschied sich für das notwendige Übel und legte seinen Zauberstein auf den Tisch.
„Ha, der muss echt verzweifelt sein“, sprach Rattenschopf leise zu Mülltonne und beide nickten einander verhalten zu.
„Jetzt erkläre ich dir mal, wie das hier abläuft, mein Kleiner“, sprach Rattenschopf laut und an Alex gewandt weiter und blickte ihm dabei ohne zu blinzeln in die Augen. „Meine Jungs ziehen jetzt die Waffen und du hebst die Hände in die Höhe. Danach teilen Bruno und ich hier den Einsatz zwischen uns auf und du kannst dich verpissen.“ 
Schnuppe schluckte und überlegte fieberhaft, wie er den Abend noch würde retten können.
Rattenschopf rutschte auf seinem Hocker etwas nach vorne und hielt sein Gesicht direkt vor Alex‘, während er ihm zuflüsterte: „Wenn ich dich hier noch mal sehe, dann stehst du ausgestopft neben der Turmuhr hier unten. Hast du das verstanden?“
Alex ließ sein Pokerface im Gesicht stehen, in ihm zerbrach aber eine kleine Welt. Wie konnte er nur so bescheuert sein und sich auf so etwas eingelassen haben? 
Bruno Mülltone bedeutete ihm mit einer Kopfbewegung, zu verschwinden, was Alex eine letzte Chance gab, jetzt aufzustehen und diesen Keller lebend zu verlassen, während Bruno und Sigurd ihren Gewinn zählten. 
Er stand auf und verließ das Gebäude. Als er durch die Außentür trat, hörte er noch von weitem Rattenschopf zu Mülltonne sagen: „Respekt, Mann. Gutes Spiel.“
Schnuppe kam vom Warmen raus in den kalten Regen. Jetzt hatte er alles verloren. Wie sollte es jetzt mit ihm weitergehen? 
Er blickte auf die Uhr. Halb sechs Uhr morgens. Er musste sich sofort aufmachen und zur Arbeit gehen. Alles ohne Schlaf, ohne Geld und ohne auch nur einen sauberen Satz Unterwäsche zu haben und vor allen Dingen: ohne jegliche Zauberkraft. 
Er lief zur nächsten Haltestelle und fuhr schwarz mit dem Bus zum Kindergarten Sauseschnee am Brausesee.






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